Im Job versucht sie weiterhin, alles gut zu erledigen. Ihr innerer Antreiber meldet sich dabei deutlich. Diese Stimme sagt Dinge wie: „Du musst stark bleiben, reiß dich mal zusammen.“ Der Druck wird stärker, je erschöpfter sie sich fühlt.
Daneben taucht eine weitere innere Stimme auf und kommentiert sie ständig. Dieser sehr strenger Anteil sagt zum Beispiel: „Andere schaffen das doch auch. Stell dich nicht so an.“ Oder aber „Du bist nicht gut genug!“ Wenn dieser Anteil laut wird, beginnt Claudia sehr an sich zu zweifeln.
Vor einigen Monaten erlebte sie eine Situation im Büro, die sie selbst überrascht hat. Eine Kollegin äußerte Kritik an ihrer Arbeit und im gleichen Moment spürte Claudia plötzlich eine intensive Wut in sich aufsteigen. Diese wütende Stimme war neu für sie, denn sie kennt sich eher als ruhige und friedliebende Person – die Kraft dieser Wut erschreckte sie.
Gleichzeitig reagierte ein anderer Anteil sehr empfindlich auf diese Situation. Es war ein sehr zarter Teil, der sich schnell verletzt fühlte: Wenn der innere Kritiker laut wird oder die Wut auftaucht, erschrickt dieser Anteil und möchte sich am liebsten verstecken.
Claudia beschreibt ihre innere Erfahrung schließlich so: „Es ist, als würden mehrere Stimmen gleichzeitig sprechen. Eine treibt mich an, eine kritisiert mich, eine wird plötzlich wütend – und irgendwo ist noch ein ganz empfindlicher Teil, der sich ganz schnell verstecken und schützen möchte.“
Da in stressigen Situationen auch ihr Körper reagiert – ihr Herz schlägt schneller, ihre Schultern verspannen sich und sie fühlt sich innerlich unruhig – kam sie zu mir. In der Therapie tauchen Erinnerungen an frühere Erfahrungen auf, mit denen sie dann in Kontakt gehen kann. Sie lernte ihre inneren Anteile kennen, kann sie inzwischen besser verstehen und im Alltag für sich klarer agieren – anstatt sich überwältigt zu fühlen.