Irgendwie da und auch doch nicht
Wir haben tranceartige Zustände wahrscheinlich alle schon mal erlebt: Du fährst Auto, die Straße ist dir mehr als vertraut, und plötzlich bist du angekommen. Allerdings kannst dich an die letzten zehn Minuten gar nicht erinnern. Ups! Deine Hände haben gelenkt, dein Fuß hat Gas gegeben und gebremst und alles lief wie von selbst. Du hast das alles gemacht, aber gleichzeitig warst du auch irgendwie weg oder woanders.
Genau das ist eine Trance – ein Zustand, in dem dein Bewusstsein zur Seite tritt und etwas Tieferes in dir übernimmt. Das ist nichts Mystisches oder Gefährliches, weil wir es alle schon mal erfahren haben. Milton Erickson, der Begründer der modernen Hypnotherapie, hat genialer Weise genau angedockt: Er hat mit dem gearbeitet, was ohnehin in uns steckt.
Dem Leben aufs Maul geschaut
Milton Erickson war Arzt und Psychotherapeut, aber vor allem war er jemand, der am eigenen Leib erfahren hatte, wie kraftvoll unser Unterbewusstsein sein kann. Mit siebzehn Jahren erkrankte er an Kinderlähmung, so schwer, dass die Ärzte ihm sagten, er würde die nächste Nacht nicht überleben. Er lag gelähmt im Bett, konnte sich kaum bewegen, hörte aber alles um sich herum. Während seiner Erkrankungen und Genesung beobachtete er die Menschen in seiner Umgebung genau – wie sie sprechen und sich bewegen. Er lauschte, wie seine Geschwister sprachen, wie sie sich verhielten, und lernte dadurch mehr über menschliche Kommunikation als in jedem Lehrbuch.
Gleichzeitig begann er, sich vorzustellen, wie es sich anfühlen würde, wieder zu gehen, zu laufen, sich zu bewegen. Er nutzte seine inneren Bilder, seine Erinnerungen an Bewegung, und trainierte damit seinen Körper auf eine Weise, die damals niemand für möglich hielt. Gegen alle Prognosen lernte er wieder laufen und zu reiten. Diese Erfahrung prägte seine gesamte Arbeit: Er wusste, dass in jedem Menschen Kräfte schlummern, die weit über das hinausgehen, was der bewusste Verstand für machbar hält.
Innere Kräfte mobilisieren
Aus dieser Erkenntnis entwickelte Erickson eine Methode, die radikal anders war als alles, was es bis dahin gab. Er glaubte nicht daran, Menschen zu analysieren und interpretieren und ihnen auch nicht zu sagen, was sie zu tun haben. Stattdessen vertraute er darauf, dass jede Person die Lösung für ihre Probleme bereits in sich trägt – tief verborgen im Unbewussten. Seine Aufgabe als Therapeut sah er darin, den Zugang zu diesen inneren Ressourcen zu öffnen.
Er arbeitete mit Geschichten, mit Metaphern, mit indirekten Suggestionen. Statt zu sagen „Du musst jetzt entspannen“, erzählte er vielleicht von einem Spaziergang am Strand, von warmem Sand unter den Füßen und vom Rauschen der Wellen. Sein Gegenüber rutschte dabei ganz von selbst in einen Zustand tiefer Entspannung, ohne dass sich Gedanken darin einmischen konnte. Erickson beobachtete genau, wie jemand atmete, wo die Augen hingingen, wie sich die Schultern hielten – und passte seine Sprache, sein Tempo, seine Bilder genau daran an.
Jede Sitzung war einzigartig, weil jeder Mensch einzigartig ist. Er nutzte das, was ohnehin da war – die Trance, die wir alle täglich erleben –, um Veränderung möglich zu machen.
Hypnotherapie kann Veränderungen begleiten
Gerade in Umbruchphasen und als Begleitung in Lebenskrisen kann die Hypnotherapie wie ein Geschenk sein. Jahrelang hast du funktioniert, für andere gesorgt und Entscheidungen getroffen. Du warst taff. FJetzt kostet es dich aber viel mehr Energie und du fühlst dich viel schneller erschöpft. Dein Kopf hat die Regie übernommen, du kannst gut panen und organisieren. Aber was sagt dein Körper dir, wenn er sprechen könnte? Vielleicht spürst du gar nicht mehr, was du wirklich brauchst, was dir guttut und sich richtig anfühlt? Der Kopf hat das wegrationalisiert und du gehst über Signale hinweg, redest dir vielleicht ein, dass es schon irgendwie weiter geht.
In so einer tiefen Entspannung, kann etwas Wunderbares geschehen: Du kannst zurückkommen zu dir selbst, dich wieder spüren lernen.
- Was fühlt sich schwer an? Was leicht?
- Was zieht dich runter, was hebt dich?
Dein Körper weiß mehr als dein Verstand – denn er hat alles gespeichert, Erfahrungen und Emotionen, und kennt auch die Lösungen. Ja, er brennt geradezu darauf, dir die Lösung zu präsentieren – wenn du ihn lässt. Woran erkennst du, dass du Hilfe brauchen könntest: Dein Schlaf ist nicht mehr erholsam, du hast keine Lust zu gar nichts, und weißt nicht mehr wie du Freude empfinden kannst. Wenn du spürst, dass diese Art zu arbeiten etwas für dich sein könnte, können wir im Rahmen einer psychotherapeutischen Begleitung über Tiefenentpsannung, Trance und Hypnose sprechen.
Zugang zum innersten Sein
Über die stufenweise Entspannung bekommst du wieder Zugang zu deinem innersten Sein. Das ist kein esoterisches Versprechen, sondern schlicht eine Tatsache: Je entspannter du bist, desto mehr kann sich dir aus der Tiefe zeigen.
Und das ist oft genau das, wovor wir Angst haben, oder?
Dass da unten etwas lauert, das wir nicht sehen wollen. Trauer, Wut, Angst – in Umbrüchen kommen sie soweiso meist hoch. Vielleicht hast du es deswegen bisher vermieden, überhaupt mal innezuhalten, weil du befürchtest, von diesen Gefühlen überflutet zu werden. Ich habe mal gelernt, dass nur etwas hochkommt, wenn wir bereit und in der Lage dazu sein, es zu bearbeiten.
Dein Unterbewusstsein ist nicht gegen dich, es arbeitet für dich.
Aber ob es noch zeitgemäß ist, wie es jetzt für dich arbeitet, das kanst du ja mal anschauen. Gerade wenn es Verhaltensweisen gibt, die plötzlich aus dir hervokommen, zu Unzeiten und unegwollt. Das könnte ein interessanter Hinweis sein, dass etwas angeschaut werden möchte. Du begegnest diesen schwierigen Gefühlen nicht nackt und schutzlos, Dein Unterbewusstsein stelt dir inneren Helfern an die Seite: Das können Bilder sein, Symbole, Personen, Tiere.
Eine Klientin von mir hatte zum Beispiel lange Angst davor, ihre Trauer über den Verlust ihres Partners anzuschauen. Als wir gemeinsam in die Tiefenentspannung gingen, tauchte plötzlich ein alter, weiser Baum in ihrem inneren Bild auf. Dieser Baum stand fest, seine Wurzeln reichten tief in die Erde, und sie spürte: Hier kann ich mich anlehnen. Mit ihm an ihrer Seite konnte sie weinen, durfte sie trauern, ohne bewertet zu werden. Si konnte und kann sich alle Zet der Welt nehmen und immer wieder dahin zurückkehren: „Ich habe gelacht und gleichzeitig geweint. Der Baum hat mir ganz viel Kraft geschenkt und ich weiß, er ist immer für mich da. Das war so schön!“
Du lernst, dass du die Gefühle halten und „das“, was immer es ist, aushalten kannst. Du bist nicht allein damit und genau das kann eine zutiefst heilsame Erfahrung sein.
Häufige Missverständnisse
- Vielleicht fragst du dich, ob du die Kontrolle dabei abgibst. Das ist eine der häufigsten Befürchtungen, wenn es um Hypnotherapie geht. Die Antwort ist klar: Nein. Die Oberhoheit über das Geschehen liegt zu jeder Zeit bei dir. Du entscheidest, wie tief du gehst, was du anschaust, was du teilst. Ich bin nicht diejenige, die dir etwas „ins Unterbewusstsein pflanzt“ oder dich manipuliert. Das wäre eine Showhypnose, nicht Therapie. In unserer Arbeit bist du die Expertin für dich selbst, und ich begleite dich lediglich dabei, deine Antworten zu finden.
- Funktioniert das überhaupt? Oder ist das alles nur Einbildung? Tatsächlich ist die Wirksamkeit dieser Methode gut erforscht. Die entspannten Zustände, in die du gehst, sind messbar – dein Puls verlangsamt sich, deine Atmung wird tiefer, dein Gehirn arbeitet in anderen Frequenzen. Was in diesen Zuständen möglich wird, ist kein Hokuspokus, sondern neurobiologisch erklärbar. Dein Verstand tritt zur Seite, und tiefere Schichten deines Gehirns können arbeiten. Dort liegen Lösungen, Erinnerungen, Ressourcen bereit, die im Alltagsstress meist verschüttet sind.
- Muss ich daran glauben, damit es wirkt? Nein, du musst dich nur darauf einlassen wollen und bereit sein, dich zu entspannen und dich eine Weile führen zu lassen. Wenn du das kannst, entfaltet die Methode ihre Kraft – unabhängig davon, ob du skeptisch bist oder nicht.
Stell dir vor, du sitzt im Park auf einer Bank. Die Sonne wärmt dein Gesicht, du hörst Vögel zwitschern, spürst den Wind auf deiner Haut. Du bist ganz da, und gleichzeitig schweift dein Geist ab, denkt an nichts Bestimmtes. Genau so kann sich eine Sitzung anfühlen. Ich führe dich stufenweise in diese Entspannung, begleite dich mit meiner Stimme, und dann lasse ich dein Unterbewusstsein arbeiten. Wir gehen an deine Quelle der Kraft, an deinen sicheren Ort – was auch immer das für dich ist zeigt dir dein inneres Wissen. Und von dort aus können wir schauen: Was brauchst du jetzt? Was darf sich verändern? Was darf bleiben?
Milton Erickson hat uns gelehrt, dass Heilung nicht bedeutet, etwas von außen hinzuzufügen. Heilung bedeutet, das freizulegen, was schon da ist, denn du trägst alles in dir, was du brauchst, um dein Leben zu gestalten. Manchmal brauchst du nur jemanden, der den Raum dafür für dich offen hält, in dem du das dann finden kannst. Die Hypnotherapie bietet einen geschützten Ort, an dem deine innere Weisheit sich zeigen darf.
In einem gemeinsamen Gespräch können wir deine Fragen zu diesen Themen klären und schauen, ob davon etwas für dich passt. Nimm gern Kontakt auf und buche einen kostenlosen Zoomcall. Jetzt buchen!
Buchempfehlungen
- „Milton H. Ericksons gesammelte Werke“ von O’Hanlon & Hexum – Umfassende Fallsammlung aus Ericksons Praxis, systematisch nach Themen geordnet wie Schmerzen, Phobien oder Suchtprobleme.
- „Einzelunterricht bei Erickson“ von Jeffrey K. Zeig – Persönlicher Einblick in Ericksons Arbeitsweise mit vollständigem Transkript der ersten drei Trainingstage, unterhaltsam und lehrreich zugleich.
- „Meine Stimme begleitet Sie überallhin“ von Jeffrey K. Zeig – Wörtliche Protokolle eines fünftägigen Lehrseminars bei Erickson, zeigt ihn als Meister der Hypnotherapie, geschickten Lehrer und warmherzigen Menschen.
- „Therapeutische Trance“ von Stephen G. Gilligan – Grundlagenwerk über das Prinzip der Kooperation in der Ericksonschen Hypnotherapie, verbindet Theorie mit praktischen Anleitungen zur Trance-Induktion.
- „Hoffnung und Resilienz“ von Short & Weinspach – Herausarbeitung der Kernstrategien Ericksons, mit Zugang zu bisher unveröffentlichtem Material, beleuchtet seinen Glauben an die Wandlungsfähigkeit des Menschen.
- „Hypnotherapie“ von Erickson & Rossi – Systematische Analyse von Ericksons Arbeit mit den wichtigsten Hypnosetechniken, zahlreichen Fallbeispielen und praktischen Übungen für Therapeuten.


