Heilpraktiker schließen eine Lücke
Da es Diskussionen um den Heilpraktikerberuf gibt, so lange ich in diesem Bereich tätig bin, also seit über 26 Jahren, möchte ich mich heute meine Sicht schildern. Wir sind nicht weniger, sondern anders qualifiziert und zertifiziert, und ein wichtiger Bestandteil des Gesundheitssystems in Deutschland.
Für die Berufsbezeichnung Heilpraktiker*in oder Heilpraktiker*in für Psychotherapie benötigen wir die Überprüfung und die Zulassung vom Gesundheitsamt. Diese erhalten wir für den Heilpraktiker*in für Psychotherapie nach einer schriftlichen und mündlichen Prüfung, die fundiertes Wissen in Psychiatrie, Psychopathologie, Psychopharmakologie, Entwicklungspsychologie und Persönlichkeitspsychologie voraussetzt. Hinzu kommt in der Regel eine mehrjährige therapeutische Fachausbildung in einem oder mehreren Verfahren. Wenn ich als Traumatherapie drauf schreibe, habe ich das ein paar Jahre lang gelernt usw.
Was Heilpraktiker*innen für Psychotherapie außerdem auszeichnet: Sie haben Therapiefreiheit. Das bedeutet, sie sind nicht auf die vier von den gesetzlichen Krankenkassen anerkannten Richtlinienverfahren beschränkt – Verhaltenstherapie, Psychoanalyse, tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und systemische Therapie – sondern können mit einem breiten Spektrum an Methoden arbeiten: Gesprächstherapie, Traumaarbeit, Hypnose, Gestalttherapie, achtsamkeitsbasierte Verfahren, Körperarbeit, Imaginationsübungen, autogenes Training und vieles mehr. Sie können so arbeiten, wie es zur Person passt, die vor ihnen sitzt.
Du bist eine Frau Mitte fünfzig, die Kinder sind ausgezogen, der Job hat sich verändert, und du merkst: Das, was dich früher angetrieben hat, greift nicht mehr. Die Mental Load erhöht sich, du bist aber nicht merh so widerstandfähig. Du fühlst dich leer, aber nicht krank im klassischen Sinne – aber eben auch nicht wirklich du selbst. Was du brauchst, ist kein Diagnoseformular oder ein Coaching, dass dich zu noch mehr Leistung bringen soll. Was du brauchst, ist Raum und Zeit für dich, um mal mit ewiner neutralen Person auf deine Situation zu schauen. Du brauchst psychotherapeutische Unterstützung, aber vielleicht gerade keine mehrjährige kassenäztliche Betreuung. Und selbst wenn: Auf einen Therapieplatz wartest du oft bis zu fünf Monate, du aber möchtest schon jetzt mit jemandem sprechen.
Und da kommen wir Heilpraktiker ins Spiel:
- Du kommst schnell an einen Therapieplatz: In Deutschland warten Menschen mit psychischen Erkrankungen laut der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK, Januar 2025) durchschnittlich 20 Wochen auf einen Therapieplatz – im ländlichen Raum teils deutlich länger. 40 Prozent der Hilfesuchenden warten zwischen drei und neun Monaten, sind in dieser Zeit mit ihren Belastungen auf sich allein gestellt. Das kann – wie die Forschung zeigt – zur Chronifizierung der Erkrankung beitragen und einen negativen Einfluss auf die berufliche Wiedereingliederung haben.
Heilpraktiker*innen für Psychotherapie können zumeist deutlich schneller einen Termin anbieten – manchmal innerhalb weniger Tage. Das ist ein deutlicher Unterschied. Wenn sich etwas in dir meldet, wenn du das Gefühl hast, jetzt ist der Moment, dann zählt es, dass du auch wirklich jetzt beginnen kannst. - Du wählst, wer dir begegnet: In einer Therapie werden intimste Aspekte deines Lebens sichtbar – Dinge, die du vielleicht noch nie ausgesprochen hast. Die Grundlage dafür ist Vertrauen und das entsteht nicht durch Methoden, sondern durch Menschen.
Eine Untersuchung der University of Wisconsin und des Modum Bad Psychiatric Centers in Norwegen kommt zu dem Ergebnis, dass die Qualität der Beziehung zwischen Patientin und Therapeutin für den Therapieerfolg sogar wichtiger ist als die spezifische Methode, die angewendet wird. Prof. Dr. Ulrike Dinger-Ehrenthal, Chefärztin am Klinikum der Universität Düsseldorf, formulierte es auf dem Deutschen Kongress für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie 2023 so: „Psychosomatische Medizin ist Beziehungsmedizin.“
Wenn du dir eine Heilpraktikerin oder einen Heilpraktiker für Psychotherapie suchst, kannst du frei wählen – nach Sympathie, nach Arbeitsweise, nach Bauchgefühl. Du kannst ein erstes Gespräch führen und spüren, dann gibt es noch 5 probatorische Sitzungen: Fühlt sich das für dich stimmig an? Fühlst du dich gesehen? Klingt das nach jemandem, dem du dich anvertrauen möchtest? Bei Heilpraktiker*innen kannst du dich auch immer noch mal umentscheiden. - Du bekommst Zeit, die wirklich dir gehört: Heilpraktiker*innen für Psychotherapie unterliegen nicht den Leistungs- und Budgetvorgaben der gesetzlichen Krankenkassen. Das klingt abstrakt, bedeutet aber ganz konkret: Du bekommst Sitzungen, die sich nach dir richten – nicht nach einem Abrechnungszeitfenster. Dauer, Rhythmus, Schwerpunkte – all das lässt sich bei Heilpraktikern noch mal anders anpassen. Du wirst ganzheitlich betrachtet, als Mensch mit einer Geschichte, einem Körper, einem sozialen Umfeld, nicht die Verhaltens-Übungen, die du erlernen musst.
- Du bleibst anonym – wenn du das möchtest: Das ist ein Aspekt, über den wenig geredet wird, der aber für viele Menschen wie beispielsweise im Staasdienst wichtig ist. Eine Behandlung bei Heilpraktikerinnen für Psychotherapie läuft privat – es gibt keine Abrechnung über die gesetzliche Krankenkasse, keinen Eintrag in der Krankenakte, der bei einer Versicherung oder einem Beamtenverhältnis relevant werden könnte. Heilpraktikerinnen sind selbstverständlich an die gesetzliche Schweigepflicht (§ 203 StGB) gebunden – aber du entscheidest selbst, wie sichtbar oder unsichtbar dein Weg für dich ist. Manche Menschen schätzen genau das: einen geschützten Raum, der wirklich nur ihnen gehört.
Ganzheitlich heißt: du als ganzer Mensch
Was mich persönlich an dieser Art zu arbeiten trägt – nach jahrzehntelanger Yogapraxis und meiner eigenen therapeutischen Erfahrung – ist der ganzheitliche Blick. Die Idee, dass Körper, Geist und Seele keine getrennten Abteilungen sind, sondern ständig miteinander kommunizieren.
Wenn du unter Stress leidest, spürt das dein Rücken. Wenn du traurig bist, atmet es sich anders. Wenn du etwas Unausgesprochenes mit dir trägst, sucht es sich seinen Weg – durch Erschöpfung, durch Schlafprobleme, durch das Gefühl, irgendwie neben dir zu stehen. Als Heilpraktikerin für Psychotherapie und Yogalehererin bin ich ausgebildet, genau diese Zusammenhänge zu sehen – und sie einzubeziehen.
Yoga lehrte mich, innezuhalten und hinzuschauen ohne sofort zu bewerten. Ich verstehe den Körper als Informationsquelle, nicht als etwas, das überwunden werden muss. Viele meiner Klient*innen erleben, dass diese Verbindung – zwischen dem, was der Körper ausdrückt und ihren Gefühlen – etwas ist, das sie so noch nicht kannten sich etwas lösen kann.
Du beschreibst, dass du dich schon lange „irgendwie taub“ fühlst, keine Freude mehr an Dingen hast, die früher schön waren oder dass kein echtes Weinen oder echtes Lachen mehr möglich ist. In einer ganzheitlichen Arbeit würden wir nicht nur fragen: „Was denkst du darüber?“ Wir würden auch fragen: „Wo im Körper kannst du das wahrnehmen? Wie ist es in deinem Bauch, wenn du daran denkst?“ Oft ist das der Schlüssel, der etwas in Bewegung bringen kann. Und nach und nach, lernen wir gemeinsam das „Etwas“ kennen.
Ressourcenfokussiert – was das wirklich bedeutet
Ein Begriff, der in meiner Arbeit eine große Rolle spielt, sind Ressourcen: Wir schauen auf die Quellen deiner Kraft, wie du bsiher deine Herausforderungen angegangen bist, was dich bisher getragen und unterstützt hat. Er bedeutet nicht, dass wir über das Schwere hinwegsehen, sondern was in dir ist bereits schon stark. Was weißt und kannst du schon alles? Damit hast du bisher überlebt.
Das klingt vielleicht selbstverständlich, ist es aber nicht. Viele Menschen, die zu mir kommen, haben gelernt, das Gute in sich zu übersehen und das Schwere sehr groß zu sehen. Sie wollen weiter, sich verbessern, statdessen lade ich sie ein, innezuhalten und zu feiern, was schon da ist. Diese Wahrnehmung verändert sich durch therapeutische Arbeit – und wenn das passiert, dann verändert sich auch der Blick auf das eigene Leben. Nicht weil plötzlich alles einfach ist, sondern weil sich die Perspektive verändern kann.
Für wen ist das der richtige Weg?
Heilpraktiker*innen für Psychotherapie sind besonders gut geeignet für Menschen, die sich in Lebensphasen befinden, die viel Anpassung verlangen: die Wechseljahre, der Auszug der Kinder, der Verlust einer Beziehung oder eines Jobs, der Eintritt ins Rentenalter, die Frage nach dem, was jetzt noch kommen soll. Auch Ängste, Schlafstörungen, Erschöpfung, Trauer, leichte bis mittlere Depressionen und das Gefühl, im eigenen Leben nicht mehr richtig ankommen zu können, gehören zu den Themen. Mit der Unterstützung eines oder einer Heilpraktiker*in finden sie zu sich oder können zumindest die Zeit bis zum Therapieplatz überbrücken.
Für schwere psychiatrische Erkrankungen, die eine medizinische Behandlung erfordern, ist eine andere Versorgung nötig – das ist klar, und das gehört an dieser Stelle deutlich gesagt. Gut vernetzte Heilpraktiker*innen für Psychotherapie wissen, wann sie weiterverweisen – und können dabei oft sogar helfen, den richtigen Ansprechpartner zu finden.
Wer profitiert davon, wenn wir verschwinden?
Immer wieder taucht also die Forderung auf, den Beruf abzuschaffen oder massiv einzuschränken. Und jedes Mal lohnt es sich, genauer hinzuschauen:
Wem würde das nützen? Niemandem!
Heilpraktikerinnen arbeiten privat – keine Kassenabrechnung, keine Budgets, keine Wartelisten, die das System verwalten muss. Jede Person, die zu uns kommt, zahlt aus eigener Tasche oder lässt sich die Kosten von ihrer privaten Zusatzversicherung erstatten. Das bedeutet: Wir belasten das System nicht – wir entlasten es. Über 46 Millionen Patientenkontakte pro Jahr in Deutschland entfallen auf Heilpraktikerinnen, bei rund 47.000 Praktizierenden und knapp 60.000 Beschäftigten in Heilpraktikerpraxen. Mehr als die Hälfte dieser Behandlungen wird komplett selbst bezahlt – das sind weit über 500 Millionen Euro, die die Krankenkassen nicht aufwenden müssen. Wer uns abschafft, schiebt diesen Bedarf ins Kassensystem. Mehr Patienten, mehr Kosten, längere Wartezeiten. Das kann kein ernsthaftes Ziel einer Gesundheitspolitik sein, die die Versorgung verbessern will.
Statt täglich 45 Patienten in 7,6 Minuten durchzuschleusen, behandeln Heilpraktiker*innen im Schnitt 4 bis 5 Menschen am Tag – und nehmen sich dabei wirklich Zeit: Mehr als die Hälfte der Erstanamnesen dauert eine Stunde und länger. Das ist nicht langsam, das ist gründlich und genau das, was viele Menschen suchen, wenn sie sich fragen: Warum fühle ich mich bei meinem Arzt nie wirklich gehört?
Heilpraktikerinnen für Psychotherapie
Speziell im Bereich Psychotherapie gibt es aktuell rund 5.400 eingetragene Praxen von Heilpraktiker*innen für Psychotherapie bundesweit – wobei die tatsächliche Zahl zugelassener Personen deutlich höher liegt, da viele ohne Handelsregistereintrag oder Website arbeiten und in keiner Datenbank auftauchen (Quelle: Listflix-Firmendatenbank, Stand April 2026). Ein Hinweis darauf: Der Verband Freier Psychotherapeuten, Heilpraktiker für Psychotherapie und Psychologischer Berater e.V. (VFP) zählt allein 10.040 Mitglieder. Das klingt nach viel – und ist gleichzeitig angesichts des Bedarfs noch immer zu wenig.
Denn die Nachfrage nach psychotherapeutischer Begleitung wächst, während das kassenärztliche System strukturell nicht mitgewachsen ist. Die Bundespsychotherapeutenkammer hat wiederholt belegt, dass der Bedarf durch approbierte Therapieplätze allein nicht gedeckt werden kann – weder heute noch in absehbarer Zukunft. Die Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie sowie die Gesellschaft für Psychotraumatologie, Traumatherapie und Gewaltforschung haben ausdrücklich bestätigt, dass diese Lücke von Heilpraktiker*innen für Psychotherapie geschlossen wird. Trotzdem sehen wir uns natürlich nicht als schlichte Lückenbüßer: Das Empirische Gutachten des Bundesgesundheitsministeriums vom Dezember 2025 bestätigt, dass 42 Prozent der Heilpraktiker*innen ihre Arbeit ausdrücklich als Ergänzung zur Schulmedizin verstehen und 96 Prozent eigenständig arbeiten, ohne das Kassensystem zu belasten.
Was bleibt
Die Diskussion um den Heilpraktikerberuf wird bleiben – das weiß ich nach über zwei Jahrzehnten. Und ich habe aufgehört, mich davon verunsichern zu lassen. Denn was ich täglich erlebe, lässt sich nicht wegdiskutieren: Menschen, die endlich ankommen und vielelicht zum ersten Mal das Gefühl haben, dass jemand wirklich zuhört. Sie spüren, dass ihre Geschichte zählt und fühlen sich allein dadurch entlastet, dass ihnen jemand auch mal länger zuhört.
Das Rechtsgutachten von Prof. Dr. Christof Stock (2021, im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums) hat klar festgestellt: Eine Abschaffung des Heilpraktikerberufs ist verfassungsrechtlich kaum durchsetzbar – Artikel 12 des Grundgesetzes schützt die freie Berufsausübung und das nachfolgende Empirische Gutachten von 2025 hat die Versorgungsrelevanz des Berufsstands mit Zahlen untermauert: Bestandsschutz gilt und der Heilpraktikerberuf hat seinen Platz – und wird ihn behalten.
Weitere Quellenangaben
- Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP): Positionspapier 2025 – Nachhaltige Versorgung. Abrufbar unter: https://www.bdp-verband.de
- Heilpraktiker-Akademie Deutschland: Berufsbild und Versorgungsrelevanz. https://www.heilpraktiker-akademie.de/berufsbild-heilpraktiker-psychotherapie.html
- Zukunft Jetzt / Deutsche Rentenversicherung: Modellprojekt BRÜCKE – Überbrückende psychotherapeutische Begleitung bei Wartezeiten. https://zukunft-jetzt.deutsche-rentenversicherung.de/praevention/hilfe-in-der-zwischenzeit
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