Mind-Behavior-Gap bedeutet: Nicht ins Tun kommen!
Wenn du dich schon mal gefragt hast, was der Unterschied zwischen Coaching und Therapie ist, bist du hier richtig.
Das kennst du bestimmt: Du gehst abends ins Bett mit dem festen Vorsatz, früh aufzustehen, joggen zu gehen und dir dann noch Zeit für ein gesundes Frühstück zu nehmen. Und was kommt dabei raus? Noch mal umgedreht, und auf dem Weg zum Job schnell ein Croissant gekauft.
Die Vision war wunderschön, aber am Ende: wieder nur heiße Luft. Und das bestätigst du dir immer wieder, bis du irgendwann glaubst, du könntest eigentlich gar nichts erreichen. Schönet Ding, sag ick mal.
Woran liegt das? Wer ist zuständig, und was kannst du tun?
In der Psychologie nennt man das den Mind-Behavior-Gap. Er beschreibt die Lücke zwischen dem, was wir wollen, und dem, was wir tatsächlich tun. Um eine neue Gewohnheit dauerhaft zuzulassen, müssen die Nerven regelrecht neu verdrahtet werden – und dein Gehirn ist dabei, ehrlich gesagt, ein bisschen faul. Es spart lieber Energie, als sich auf etwas Neues einzulassen, denn Neues kostet Kraft und wird erst mal als potenzielle Gefahr eingestuft. Das Verlassen der Komfortzone fühlt sich deshalb immer unsicher an – dabei lässt sich in dieser Zone eben auch nichts verändern.
Der Mind-Behavior-Gap ist der Weg des geringsten Widerstands, und er macht nicht glücklich. Magst du dich dann noch? Er frustriert dich, und genau hier setzt oft eine Abwärtsspirale ein – die aber, wie ich gelernt habe, auch ein Sprungbrett für Veränderung sein kann. Das ist wiederum gut.
Vom Wunsch zum Ziel
Der integrale Ansatz geht davon aus, dass wir aus mehreren Ebenen bestehen: Körper, Geist, Emotionen und Spiritualität. Integrales Coaching bezieht all diese Ebenen mit ein – dann lässt sich leichter neu verdrahten, weil wirklich alle Bereiche mitziehen.
Dabei klärt sich oft:
- Ist das eigentlich dein Ziel, oder der Wunsch von jemand anderem?
- Hast du die körperlichen und geistigen Fähigkeiten, um es zu erreichen?
- Wer unterstützt dich dabei?
- Passt die Strategie zu dir, oder muss sie angepasst werden?
- Reicht ein Coaching für eine neue Fähigkeit, oder brauchst du eher das soziale und emotionale Grundlagentraining einer Therapie?
Eine erste Idee, genau hier und jetzt: Sucht dir Unterstützung.
Gemeinsam ist leichter
Es gibt einige Möglichkeiten, das anzugehen. Du kannst Spaß und Tun kombinieren – gemeinsam laufen gehen und euch danach belohnen, zusammen tanzen oder kochen. Oder du gehst in einen Verein: Chor, freiwillige Feuerwehr, Bridgeclub, Kegeln. Du weißt schon: Was dir Spaß macht, macht mit anderen doppelt Spaß und gelingt auch eher.
Beziehungen schütten außerdem das Kuschelhormon Oxytocin aus – du fühlst dich zugehörig, sicher, richtig. Manchmal geht es aber um mehr als das, nämlich um das Umsetzen konkreter Ziele. Auch dafür hilft es, verschiedene freudige Anlässe zu kombinieren und sich mit anderen zusammenzutun.
Und manchmal braucht es einfach ein Einzelcoaching – das ja auch mit jemandem zusammen stattfindet, nur eben nicht in der Gruppe – oder eine Therapie. Wann brauchst du was?
Coaching oder Therapie – wo liegt der Unterschied?
Beide Wege unterstützen Menschen in schwierigen Situationen oder auf dem Weg zu einem Ziel, aber sie setzen an unterschiedlichen Stellen an.
Coaching ist meist eine zielorientierte Begleitung für Menschen, die ihre Fähigkeiten verbessern oder ihre Leistung steigern möchten. Als Coachin unterstütze ich dich dabei, berufliche oder persönliche Ziele zu erreichen – mit Techniken zur Selbstreflexion, Zielsetzung und Problemlösung. Der Fokus liegt auf Gegenwart und Zukunft, auf einem konkreten, meist zeitlich begrenzten Ziel.
Therapie dagegen ist eine längerfristige Begleitung. Sie behandelt psychische Erkrankungen oder emotionale Themen wie Depressionen, Angststörungen oder Traumata – die meist in der Vergangenheit wurzeln. Therapeutin und Klientin arbeiten gemeinsam an der Ursache von Problemen, um sie zu lösen oder zu lindern. Es geht um die Veränderung von Verhaltensmustern und die Bewältigung von Erfahrungen, die noch nachwirken.
Beide Ansätze können echte Unterstützung sein, wenn du Veränderung und Wachstum suchst.
Und für wen ist was das Richtige?
Wenn du mit beiden Beinen im Leben stehst, setzt du Ziele wahrscheinlich leichter um und hast ein größeres Stresstoleranzfenster, als wenn es dir gerade nicht so gut geht. Du kennst das aus dem Sport: Ist dein Körper von einer Erkältung geschwächt, kannst du keine Höchstleistung bringen.
Mental ist das nicht anders. Wenn du wiederholt schlechte Erfahrungen in Beziehungen gemacht hast, gemobbt wirst oder gerade deinen Job verloren hast, bist du im Moment nicht umsetzungsstark. Deine Energie ist genau da gebunden – für große Veränderungen bleiben dann wenig Willenskraft und Disziplin übrig.
Der eine steckt einen Jobverlust locker weg, die andere kommt über den Tod eines geliebten Menschen nicht hinweg. Geht es dir gerade gut, kann ein Coach deine erste Anlaufstelle sein. Bei den größeren Themen ist eine Therapeutin oft die bessere Wahl – einfach, um Leid und Schmerz zu bewältigen. Du darfst dir dabei helfen lassen.
Und ja, das sollte im Vorgespräch von beiden Seiten offen angesprochen werden. Beide Formen begleiten dich bei Neuorientierung, Wandel und Veränderung.
Was Veränderung antreibt
Manchmal geschehen Veränderungen einfach, und manchmal sind sie schwer zu bewältigen. Die Kinder ziehen aus – das ist schon genug. Kommt dann noch ein Umzug oder ein neuer Job dazu, wird es nicht leichter. Wird ein Elternteil zum Pflegefall, sind die Batterien schnell leer.
Vielleicht steigt der Veränderungsdruck auch von außen, und du bist einfach noch nicht so weit. Dann reicht schon ein Problem, um dich fertigzumachen, auch wenn das sonst nicht deine Art ist. Das Leiden nimmt zu, du wirst unzufrieden mit dir, die Spirale geht abwärts und verstärkt sich selbst. Klingt nicht schön – aber genau dann fängst du an, nach Lösungen zu suchen. Manchmal muss es erst dicke kommen. Auch das ist ein wichtiger Motor für Veränderung.
Auf allen Ebenen wachsen
Integrales Coaching arbeitet auf mehreren Ebenen gleichzeitig: der körperlichen – Gesundheit, Fitness, Bewegung, Ernährung; der emotionalen – Resilienz, der Umgang mit Ängsten und Blockaden; der mentalen – Entscheidungsfindung, Problemlösung; und der spirituellen – die Frage nach Sinn und Verbindung zu dem, was dir wirklich wichtig ist. Wer auf allen vier Ebenen wächst, wird stabiler in der Umsetzung – wenn ich etwas davon auslasse, ist die Strategie am Ende nicht nachhaltig, egal welches Ziel ich verfolge.
In den letzten zwölf Jahren hat sich in der Coaching-Szene viel verändert. Es gibt längst nicht mehr nur das klassische Business-Coaching oder rein therapeutische Methoden, sondern Coaching für so gut wie jede Lebenssituation – auch, weil es schlicht nicht genug Therapeut*innen gibt.
Integrales Coaching nutzt klassische Coaching-Werkzeuge für Arbeitsfragen genauso wie für Beziehungsthemen, verbunden mit Körper, Emotionen und Spiritualität – ganzheitlich, damit jeder Lebensbereich mitgedacht wird. Bleibt der Prozess dabei „clean“, also möglichst wenig von der Coachin gefärbt, führt er dich zu deiner eigenen Lösung. Ich nutze bei meinem Coaching unter anderem Ansätze wie Clean Space, Embodiment und Clean Language.
Mein eigener Weg ging über die Therapie
Das liegt sicher auch daran, dass es vor über zwanzig Jahren kaum Coaches gab. Coaching fand man damals im Sport oder im Management. Für alle anderen ging es zum Arzt oder in die Therapie.
Mich hat sieben Jahre lang eine Gestalttherapie beim Aufbau eines liebevollen Selbstverständnisses begleitet. Anders als der Name vermuten lässt, geht es dabei nicht um Kunst: Man gibt verschiedenen inneren Aspekten und Anteilen eine Gestalt – das kann ein Stuhl, ein Kissen oder irgendein anderer Gegenstand sein. Die Gestalttherapie wurde von Fritz Perls entwickelt und wird nicht von der Krankenkasse übernommen.
Nach ein paar Jahren Pause brauchte ich berufliche Unterstützung und fand sie bei einem Psychiater. Vorher hatte ich schon eine Coachin aufgesucht, war mir aber in meinem Ziel nicht klar genug. Ich wollte Probleme, die ich bei der Arbeit erkannt hatte, langsamer und genauer ergründen, bevor ich ins Handeln kam. Das ging mir im Coaching zu schnell – Therapie kannte ich schon, und damit war ich zufriedener.
In dieser Zeit habe ich intern die Stelle gewechselt und wurde ein Jahr lang zur Diversity-Managerin umgeschult. Dafür musste ich in einem Jahr elf – elf! – Mal nach Köln reisen und wurde ein paar Monate später trotzdem entlassen. Hammer! Gut, dass mich damals jemand außerhalb meiner Familie unterstützt und begleitet hat.
Das ist sechs Jahre her, und inzwischen habe ich gemerkt: Ich kann nicht mehr alles durchdenken. Es gibt Gefühle und Wahrnehmungen, für die ich keine Worte finde. Das fühlt sich nicht gut an. Was wäre da besser als eine körperorientierte Therapie? Also habe ich wieder eine Therapeutin, die mir hilft, diese Gefühle zu integrieren – auch diese Therapie zahle ich aus eigener Tasche.
Jetzt könntest du fragen: Annette, wann ist man eigentlich austherapiert?
Es gibt keine allgemeingültige Antwort. Dauer und Intensität einer Therapie hängen von vielen Faktoren ab: von Art und Schwere des Themas, von deinen eigenen Zielen, deiner Bereitschaft zur Mitarbeit und der Art der Therapie.
Für mich war es wichtig, mich mit mir selbst wohlzufühlen, mit Herausforderungen klarzukommen und meine Gefühle in mein erwachsenes Ich zu integrieren – und sie nicht mehr zu fürchten. Es ist übrigens nie zu spät für eine glückliche Kindheit.
Wäre es nicht schön, mit dir selbst gut klarzukommen, dich nicht nur zu akzeptieren, sondern zu mögen? Und wenn du dann auch andere Menschen auf ihrem eigenen Weg so sein lassen kannst – du musst sie nicht mögen, nicht ihrer Meinung sein, aber verstehen, dass alle nur auf der Suche nach Glück sind.
Und genau deshalb bin ich ausgebildete Traumatherapeutin: um andere Menschen auf ihrem Weg begleiten zu können.
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