Was ist eine psychotherapeutische Beratung?

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Reicht eine psychotherapeutische Beratung oder brauchst du eine Therapie? Was sind die Unterschiede zwischen Coaching, Beratung, Therapie?

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Fünf Monate warten, während es in dir brennt

Du hast dich entschieden und möchtest mit jemandem reden, der sich auskennt. Und dann das: Laut der Bundespsychotherapeutenkammer vergehen im Schnitt 142 Tage zwischen Erstgespräch und Therapiebeginn, auf dem Land oft ein halbes Jahr. Fünf Monate sind sehr lang, wenn man gerade in einer Krise steckt und Veränderungen bewältigen muss. Was wenige kennen und oft nicht einordnen können: Es gibt auch die psychotherapeutische Beratung.

Beratung klingt erstmal harmlos, fast schon nach Steuererklärung. Dabei kann sie ziemlich viel bewegen: Du sprichst mit jemandem, der psychotherapeutisch ausgebildet ist, aber es geht (noch) nicht um eine Behandlung im medizinischen Sinn. Du bringst eine Frage mit, eine Krise, eine Entscheidung, die dich nicht schlafen lässt – und bekommst Orientierung, ohne dass gleich ein Diagnoseschild an dir klebt.

Beratung oder Therapie: Der Krankheitswert entscheidet

Der Unterschied zur Therapie ist der sogenannte Krankheitswert. Sobald deine Beschwerden ein Ausmaß erreichen, das behandelt werden muss – eine Depression, eine Angststörung, eine Traumafolge – bewegst du dich im Bereich der Therapie. Solange du dich in einer schwierigen, aber nicht so belastenden Lebenssituation befindest, dass du deinen Alltag nicht mehr bewältigen kannst, reicht oft erst mal ein Beratungsgespräch. Es ist dann vielleicht einfach die Erleichterung, dass du über deine Probleme reden kannst und dir jemand mal ehrlich zuhört und dir ein Feedback gibt: „Ja, das ist wirklich viel mit dem Sie sich da herumschlagen müssen!“ Und natürlich ergeben sich in der Beratung neue Perspektiven und du entdeckst deine Ressourcen (wieder).

Alle Namen und Geschichten sind verändert, Ähnlichkeiten mit realen Personen sind zufällig.

Sabine, 52, kommt zu mir, weil ihr Mann sie nach 24 Ehejahren verlassen hat. Sie schläft schlecht, weint viel, funktioniert im Job aber weiter. Wir brauchen keine Diagnose, wir brauchen Raum. In drei Beratungsgesprächen sortiert sie ihre Gedanken, findet ihre Wut wieder und trifft eine erste klare Entscheidung für sich selbst. Ab und zu kommt sie für eine weitere Beratung, das funktioniert für sie gut.

Wann lohnt sich ein Beratungsgespräch?

Immer dann, wenn das Leben dir eine Richtungsänderung zumutet, bei der du Unterstützung benötigst. Die Wechseljahre gehören dazu, ein Jobverlust mit fünfzig oder wenn plötzlich niemand mehr anruft. Auch das leere Nest, wenn die Kinder ausziehen und die Wohnung viel zu still wird, kommen meist Frauen zu mir. Du hörst dich selbst denken in Sätzen wie „Ich bin doch nicht krank, ich funktioniere ja noch“ – und genau da beginnt oft die Beratung, lange bevor eine Therapie überhaupt zur Debatte steht.

Was bringt so ein Gespräch konkret? Es bringt Tempo. Du musst nicht Monate auf einen Platz warten, sondern kannst schnell klären, wo du stehst und was als Nächstes dran ist. Es bringt Struktur in ein Gefühlschaos, das dich sonst durch Gedankenkreisen erschöpft. Und eine psychotherapeutische Beratung gibt dir eine ehrliche Einschätzung von außen: Reicht dir dieses eine Gespräch, brauchst du eine kurze Begleitung, oder zeigt sich, dass mehr dahintersteckt und du in eine Therapie wechseln solltest?

Und dann gibt es ja auch noch Coaching

Bei einer psychotherapeutischen Beratung klärst und sortierst du deine Gedanken.

Coaching schaut nach vorn: Es geht um Ziele, um Entscheidungen, um die nächste berufliche oder private Weiche. Therapie schaut auch zurück, weil sie Verletzungen bearbeitet, die im Körper und im Nervensystem stecken geblieben sind – manchmal seit Jahrzehnten. Ein Coach begleitet dich dabei, eine neue Selbstständigkeit zu starten, neue Wege einzuschlagen oder einfach ein paar Kilogramm abzunehmen. Eine Therapeutin begleitet dich dabei, dich zu erden, wenn dir der Boden unter dir weggezogen wurde.

Das Kriterium ist wieder der Krankheitswert. Fühlst du dich erschöpft, aber grundsätzlich stabil, und willst du eine Entscheidung treffen? Dann bist du im Coaching richtig. Spürst du Symptome, die dich seit Wochen begleiten – Schlaflosigkeit, Herzrasen, innere Leere, die sich nicht mehr abschütteln lässt? Dann brauchst du jemanden mit einer Heilerlaubnis, keinen Coach. Das ist rechtlich kein Detail: Wer psychisch erkrankte Menschen behandelt, ohne die passende Zulassung zu besitzen, macht sich strafbar, ganz egal, wie einfühlsam die Website klingt.

Die Berufsbezeichnungen unter der Lupe

Die Begriffe werden im Alltag wild durcheinander geworfen, und das ist kein Zufall. Selbst das Deutsche Ärzteblatt kritisiert, wie verwechselbar viele dieser Bezeichnungen sind. Schauen wir sie uns einzeln an, damit du beim nächsten Praxisschild verstehst, was du da liest.

  • Coach und Berater*in: Weder Coach noch psychologischer Berater*in sind geschützte Titel – theoretisch darf sich jeder so nennen. Beide dürfen dich bei Lebensfragen, Zielen und Entscheidungen begleiten, aber sie dürfen keine psychischen Erkrankungen behandeln oder diagnostizieren. Fehlt die staatliche Heilerlaubnis, endet ihr Spielraum genau dort, wo Krankheitswert beginnt.
  • Psycholog*in: Wer Psychologie studiert hat, versteht viel über Wahrnehmen, Fühlen und Verhalten – darf aber allein mit diesem Studium noch nicht behandeln. Sie oder er braucht eine Approbation als Psychologische*r Psychotherapeut*in oder eine sektorale Heilerlaubnis. Ein abgeschlossenes Psychologiestudium reicht dafür also nicht.
  • Psychiater*in: Ein Facharzt oder eine Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie hat Medizin studiert und kann als Einzige*r in dieser Reihe Medikamente verschreiben. Die Ausbildung ist medizinisch geprägt, oft eher biologisch-medikamentös ausgerichtet als gesprächsorientiert. Wer akut in einer Krise steckt oder eine medikamentöse Begleitung braucht, ist hier richtig.
  • Therapeut*in: Dieser Begriff ist unglaublich weit gefasst und für sich genommen fast bedeutungslos – geschützt ist nur „Psychotherapeut“, nicht „Therapeut“ allein. Physiotherapeut*innen, Ergotherapeut*innen oder eben Heilpraktiker*innen für Psychotherapie tragen dieses Wort zurecht in ihrer Bezeichnung. Schau also genau hin, welches Wort direkt davorsteht.
  • Heilpraktiker*in für Psychotherapie: Diesen Weg bin ich selbst gegangen und habe den großen Heilpraktiker nach dem Heilpraktikergesetz, geprüft vom Gesundheitsamt. Ich selbst beschränkt mich auf das Gebiet der Psychotherapie. Ich darf diagnostizieren und mit anerkannten Verfahren behandeln, aber keine Medikamente verordnen. Die Arbeit läuft in der Regel privat, ohne Kassenwartezeit, dafür oft mit mehr Raum pro Sitzung.

Wann reicht Beratung, wann brauchst du mehr?

Höre in dich hinein: Kannst du deinen Alltag noch tragen, auch wenn er sich zäh anfühlt? Dann ist ein Beratungsgespräch oft der richtige erste Schritt. Merkst du dagegen, dass sich etwas festsetzt – Schlaf, Appetit, Antrieb kippen seit Wochen, du fühlst dich wie taub oder ständig alarmiert –, dann ist das ein Hinweis, genauer hinzuschauen. Das ist keine Diagnose, sondern eine Einladung, es dir selbst ehrlich einzugestehen.

Martina, 58, kommt eigentlich wegen Coaching-Fragen zu ihrer Karriere nach der Kündigung. Im Gespräch zeigt sich, dass sie seit dem Jobverlust kaum noch schläft und Panikattacken hat. Wir wechseln gemeinsam den Rahmen: von der Beratung in eine begleitende Therapie, weil das, was sie erlebt, mehr Halt braucht, als ein Zielgespräch geben kann.

Warum mir dieses Thema am Herzen liegt

Ich höre in meiner Praxis oft denselben Satz, nur in anderen Worten: „Ich weiß gar nicht, ob ich hier richtig bin.“ Diese Unsicherheit nehme ich Klient*innen gern ab, bevor sie überhaupt bei mir auf dem Sessel sitzen. Ich selbst habe jahrelang verschiedene Therapieformen durchlaufen, aus eigener Tasche bezahlt, und weiß, wie viel Mut es kostet, überhaupt anzurufen. Wenn du also unsicher bist, welcher Weg für dich passt, ist das kein Zeichen von Schwäche, sondern ein ehrlicher Startpunkt für dich.

Ein erstes Kennenlernen über Zoom kostet dich nichts außer fünfzehn Minuten und die Bereitschaft, ehrlich hinzuschauen. Hier kannst du dir deinen Termin aussuchen. Endlich bei dir sein beginnt oft mit genau diesem einen Anruf.

**Wichtiger Hinweis:**

  • Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine professionelle Diagnose oder Behandlung.
  • Wenn du unter starken oder anhaltenden Beschwerden leidest, wende dich bitte an einen Arzt oder eine Ärztin, Psychotherapeut*in oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Telefon: 116 117).
  • Im Notfall: 112 oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111, kostenlos, 24h).

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Über mich
Annette Bauer HP Psychotherapie Coaching Xperience Portrait
Hallo, ich bin Annette
Ich bin Berlinerin und war 25 Jahre als Layouterin und Redak­teurin tätig. In den letzten Jahren im Job war ich kurz vorm Burnout und wurde dann ent­lassen. Auch privat habe ich Schick­sals­schläge erleben müssen.

Dabei hilft mir seit über 30 Jahren unter anderem eine regelmäßige Yoga-Praxis.

Andere Menschen begleite ich als Heil­prakti­kerin mit einer ressour­cenorien­tiert, systemisch oder mit einer Trauma­therapie.
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