Was ist Mut überhaupt?
Erinnerst du dich im Wizard von Oz an den ängstlichen Löwen, der vor seiner eigenen Mähne erschrickt? Er nimmt dann immer seinen Schwanz in die Hand und zupft an ihm herum. Das ist natürlich ganz lustig. Er glaubt, er sei nicht besonders mutig, dabei rettet er seine Gefährten immer wieder aus gefährlichen Situationen. Seine Stimme zittert, seine Knie schlottern, und trotzdem handelt er, wenn es darauf ankommt. Also ist er sehr tapfer und mutig – echter Mut ist nicht die Abwesenheit von Angst, sondern das Handeln trotz der Angst.
Genau den Mut brauchst du, wenn das Leben dich vor neue Herausforderungen stellt. Du kennst das: Du musst etwas machen oder ein Gespräch führen, das dir richtig Angst macht. Dein Gehirn malt sich die Reaktionen in schillerndsten Farben aus. Und trotzdem gehst du da durch. Das ist Mut, denn du gehst weiter – auf der Yellow Brick Road, der gelben Straße im Lande Oz – trotz deiner Angst im Bauch.
Warum Frauen oft ihren Mut verlieren
In unserer Gesellschaft lernen Frauen früh, dass sie lieb und angepasst sein sollen. Dr. Clarissa Pinkola Estés beschreibt in ihrem Buch „Die Wolfsfrau“ (1992), wie Frauen systematisch von ihrer wilden, mutigen Natur abgeschnitten werden. Du lernst, deine Bedürfnisse hinten anzustellen, Konflikte zu vermeiden und es allen recht zu machen. Nach Jahrzehnten des Funktionierens fühlst du dich dann natürlich wie eine zahnlose Löwin – kraftlos und ängstlich.
Die gute Nachricht: Dein Mut ist nicht verschwunden, er ist nur unter Schichten von Erziehung und Konditionierungen begraben. Wenn du Angst spürst, dann bedeutet das meist, dass du dich in Richtung deiner Werte bewegst. Also in Richtung von etwas sehr Wünschenswertem. Die Angst entsteht, weil deine Wünsche im Moment wahrscheinlich im Gegensatz zu den Wünschen anderer stehen. Veränderung kann Angst machen. Sie kann aber auch ein Wegweiser hin zu deinen Wünschen und Bedürfnissen sein. Der Unterschied ist, dass es sich auch ein bisschen aufregend anfühlt!
Nimm eine Trennung oder Scheidung, einen Jobwechsel oder einfach eine wichtige Aussprache. Im Kopf gehen die Gedanken los: „Was werden die Leute sagen? Schaffe ich das auch allein? Bin ich zu alt für einen Neuanfang?“ und so weiter. Doch deine Ängste flüstern dir zu: „Das ist wichtig für dich!“ Die Angst vor dem Alleinsein weist dich darauf hin, dass du bereit bist für eine neue großartige Beziehung: nämlich die zu dir selbst.
Die drei Fragen des Mutes
Auch beim Mut helfen dir die drei magischen Fragen dabei, den „Mann hinter dem Vorhang“ zu entlarven. Oft sind es nämlich nicht deine eigenen Ängste, die dich lähmen, sondern die Ängste anderer. Deine Mutter hatte Angst vor Veränderung, also lernst du, dass Sicherheit wichtiger ist als Wachstum. Dein Ex-Partner hatte Angst vor starken Frauen, also lernst du, dich kleinzumachen. Wenn du dich fragst: „Will ICH wirklich sicher sein oder will ich lebendig sein?“, dann erkennst du, wessen Ängste du da eigentlich lebst.
Ich hatte auch überlegt, ob ich den Schritt in die Selbstständigkeit wagen sollte. Da war ich gerade 50 Jahre alt und nicht nur ich hatte den Gedanken „Das ist zu riskant in dem Alter.“ Wenn ich aber eins gelernt habe, ist es das, dass es da, wo ich Angst bekomme und die Zweifel mich fertig machen wollen, auch etwas zu lernen gibt. Also fing ich an zu recherchieren, mich umzuhören, mir gute Berater zu suchen. Als ich alles zig Mal durchgerechnet hatte und alles geplant war, hat mir noch ein Gedanke den letzten Schubs gegeben: „Ich habe mich auf diesen Moment 12 Jahre lang gefreut, ich wollte es schon so lange, also was sollte jetzt noch schiefgehen?“
Das stimmt: Ich bin immer sehr gut vorbereitet. Und es geht auch immer etwas schief. Aber ich habe es schließlich auch IMMER überlebt! Als ich dann endlich selbstständig war, lief es super. Und dann kam Corona! Und auch das habe ich nicht nur überlebt, sondern daraus wieder viel gelernt. Resilienz ist bisher mein zweiter Vorname.
Also, wenn du still wirst und wirklich in dich hinein spürst, dann merkst du: Du willst das Risiko. Du willst ES endlich tun – was auch immer ES ist. Die Angst vor dem Scheitern ist kleiner als die Angst vor dem Nicht-Gelebt-Haben. Das ist dein Mut, der zu dir spricht. Hör ihm zu, stell ihm alle Fragen und kläre das mit deinem Mut persönlich. Und dann hole dir alle Hilfe, die du kriegen kannst. Denn du musst nichts allein durchstehen.
Die Magie der kleinen Schritte
Mut bedeutet nicht, dass du gleich dein ganzes Leben umkrempelst. Manchmal ist der mutigste Schritt ein ganz kleiner. Dr. BJ Fogg von der Stanford University hat erforscht, wie kleine Veränderungen große Auswirkungen haben können („Tiny Habits“, 2019). Wenn du jeden Tag einen winzigen mutigen Schritt machst, dann trainierst du deinen Mut-Muskel. Dabei trickst du auch dein Gehirn aus, weil gerade die kleinen Schritte unter dem Radar laufen und keine großen Beängstigungen für das Gehirn darstellen.
Vielleicht ist dein erster mutiger Schritt, dass du „Nein“ sagst, wenn deine Nachbarin dich wieder bittet, zum x-ten Mal dieses Jahr ihre Blumen zu gießen. Deine Stimme ist vielleicht beim ersten Mal noch nicht sehr kräftig, aber sie ist da. Du sagst es, und hey, die Welt bricht NICHT zusammen! Im Gegenteil, du fühlst dich einen Zentimeter größer, ein bisschen mehr wie du selbst.
Wechseljahre: Die Löwin erwacht!
Die Wechseljahre sind oft die Zeit, in der Frauen ihren Mut wiederentdecken. Dr. Christiane Northrup beschreibt in „Weisheit der Wechseljahre“ (2006), wie der sinkende Östrogenspiegel dazu führt, dass Frauen weniger bereit sind, sich zu verbiegen. Das Schöne ist, du wirst ungeduldiger mit dem, was dir nicht guttut und hörst weniger auf die Stimmen anderer und mehr auf deine eigene. Das ist kein Verlust, sondern ein Gewinn für deine Kraft.
In einem Ted-Talk beschreibt Dr. Amy Cuddy, was es heißt: „Fake it, till you make it.“ (Tu so als ob, bis es funktioniert.) Sie hat erforscht, wie Körperhaltung unsere Selbstwahrnehmung beeinflusst („Presence“, 2015). Wenn du dich aufrichtest, die Schultern zurücknimmst und tief atmest, dann sendest du deinem Gehirn das Signal: „Ich bin stark und bereit.“ Dein Körper lehrt deinen Geist, mutig zu sein. Genau wie die Löwenhaltung im Yoga, in der du dich aufrichtest, die Schultern zurücknimmst, die Zunge rausstreckst und wie eine Katze fauchst.
Mut ist ansteckend
Das Schöne am Mut ist, dass er sich ausbreitet. Wenn du anfängst, mutig zu sein, dann inspirierst du andere dazu, es auch zu sein. Deine Tochter sieht, wie du deinen Traum verfolgst und traut sich, ihren eigenen Weg zu gehen. Deine Freundin erlebt, wie du dich aus einer schlechten Beziehung befreist und fasst den Mut, das auch zu tun. Was andere an dir bewundern, ist nicht deine Furchtlosigkeit, sondern deine Bereitschaft, trotz der Angst zu handeln. Du zeigst, dass es möglich ist.
Der größte Mut ist der, du selbst zu sein. In einer Welt, die dir vorschreibt, wie du sein sollst, ist Authentizität ein Akt der Rebellion! Wenn du aufhörst, dich zu verstellen, wenn du deine Masken ablegst und zeigst, wer du wirklich bist, dann lebst du mutig. Vielleicht bedeutet das für dich, dass du deine spirituelle Seite lebst, auch wenn andere dich für „verrückt“ halten. Oder dass du deine Liebe zur Kunst wiederentdeckst, auch wenn sie dir kein Geld bringt. Oder dass du deine Meinung sagst, auch wenn sie unpopulär ist. Authentizität ist der Mut zur Nicht-Perfektion, zur Verletzlichkeit, zur Wahrheit und zum Ausprobieren.
Der Löwe und seine Medaille
Am Ende der Geschichte gibt der Zauberer dem Löwen eine Medaille für seinen Mut. Doch genau wie beim Diplom der Vogelscheuche ist es nur ein Symbol für etwas, das schon immer da war. Du brauchst keine Medaille, um zu wissen, dass du mutig bist. Du brauchst nur die Bereitschaft, zu sehen, was du bereits geleistet hast. Jeder Tag, den du trotz Angst gemeistert hast, ist ein Beweis für deinen Mut.
Wie die zahme Löwin, die endlich erkennt, dass sie schon immer mutig war, entdeckst du deine natürliche Stärke wieder. Du musst nicht warten, bis du keine Angst mehr hast, sondern dich bereit machen, trotz der Angst zu handeln. Der Mut liegt nicht in der Abwesenheit von Furcht, sondern in der Entscheidung, dass etwas wichtiger ist als die Furcht. Und das bist du: Du bist wichtiger als deine Angst.
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Ausblick:
Teil 4: Yellow Brick Road – der Weg zu dir
Zusammenfassung, Fazit und Aussicht auf deinen Weg: Wo soll die Reise hingehen? Und du darfst gespannt sein, was ich aus den roten Schuhen mache. Ein bisschen Spannung muss sein!


